Startseite Baby Familie Lernen / Schule Spielen Kindermode Kinderzimmer Teenager Urlaub Impressum

Trauerarbeit gehört zum Leben - auch bei Kindern

Im Zusammenhang mit Sterbefällen ist im Alltag oft der Begriff "Trauerarbeit" zu hören. Doch dieses Thema umfasst nicht allein den Tod im Wortsinne. Fachlich gesehen bedeutet das Wort "Trauerarbeit" gleichermaßen die Kind trauertKinder trauern anders als Erwachsene
Foto: © pojoslaw
Verarbeitung aller Lebenssituationen, in denen man Abschied nehmen muss oder will.
Die Trauerarbeit bei Kindern bildet ein nicht nur sensibles, sondern auch sehr wichtiges Stück Lebenserfahrung und Prägung im Umgang mit derartigen Situationen für den Rest ihres Lebens. Und oft unterschätzen Eltern die Chance, die ihnen durch die Verantwortung für das eigene Kind in einer solchen Situation geboten wird, sich einmal aus Kindersicht mit der Trauerarbeit zu befassen.

Lernprozess für Alt und Jung
Wenn sich beispielsweise die Eltern trennen, dann passiert das in der Regel nicht, weil sie sich so prima verstehen. Dementsprechend ist die Situation daheim weder für die Großen noch für die Kleinen optimal. Allerdings wissen die Erwachsenen meist, worum es geht, während die Kinder keine Ahnung haben und sich Mutmaßungen hingeben müssen. Meist enden diese Gedanken damit, dass sie die Schuld bei sich suchen.
Hier einfach mal das eigene Ego hintenan zu stellen und sich der Verantwortung für die Kleinen zu stellen - das klingt immer so logisch, ist aber schwierig für alle Beteiligten.
Es hilft, wenn man sich vorstellt, man selbst würde nur lauten Streit als Geräuschkulisse hören, eine eisige Atmosphäre spüren und wäre ansonsten völlig ahnungslos. Spätestens angesichts der Scheidungsrate sollte sich jedes Elternteil überlegen, ob es nicht besser ist, einfach mal die Kinder für ein Wochenende zu den Großeltern zu geben und diese Zeit für die Klärung der eigenen Angelegenheiten zu nutzen. Später dann fasst man den sachlichen Entschluss, gemeinsam mit den Kindern zu sprechen mit dem obersten Ziel, dass weder Mama noch Papa schuld an der Trennung sind und das Kind noch von beiden geliebt wird - und dann geht es einfach nur noch um die Organisation vom Miteinander nach dem Auszug eines Elternteils.

Trauerarbeit mit Kindern - Der Teddy oder andere helfende "Personen"
In der Natur der Sache liegt, dass Eltern die Regeln bestimmen. Klar, dass spielen und herumtoben schöner ist, als nachher das Zimmer aufzuräumen - egal, ob die Großen dabei mitmachen oder nicht. Beim Versuch, diese Pflicht ganz allein den Eltern aufzudrücken, entstehen logischerweise Spannungen. Das ist normaler Alltag.
Aus Sicht des kindlichen Denkens, ist es völlig nachvollziehbar, dass Mami und Papi "doof" sind, wenn sie auf ihren Regeln beharren. Aber das Kind hat ja zum Glück noch einen Teddy oder andere Verbündete in seiner eigenen Welt. Und nun stelle man sich vor, dass Teddy bei Oma und Opa oder schlimmstenfalls sogar am Urlaubsort auf einer Südseeinsel vergessen wurde. Der einzige Verbündete ist aus Kindersicht quasi gestorben!
Hier sollten Eltern sehr genau beurteilen, ob sie das Plüschtier, das sie im Supermarkt als Ersatz gekauft haben, wirklich durch mehrere Waschmaschinengänge und andere Maßnahmen in den Zustand versetzen können, dass ihnen das Kind die Geschichte von Teddy glaubt, der mit anderen Leuten etwas später nach Hause gekommen ist und einfach nur zwei Tage länger im Urlaub geblieben ist. Oftmals zieht die Aufdeckung dieser Elternlüge einen großen und bleibenden Vertrauensverlust nach sich. Vielleicht hatte Teddy nämlich noch diesen Krankenhausgeruch an sich, als kurz vor dem Urlaub das Kind wegen eines verstauchten Beines behandelt wurde… usw.
Vielmehr bietet diese Situation die seltene Möglichkeit, dem Kind bei der Trauerarbeit zu helfen - und die eigene Kreativität mal wieder anzukurbeln. So kann man den vergessenen Teddy sehr gut ersetzen, indem eines Tages sein Bruder auftaucht. In Verbindung mit einer guten Geschichte hat man dann mehrere Fliegen mit einer Klatsche geschlagen: Verluste gehören zum Leben dazu, es geht immer weiter… bis hin zu der Zeit, wenn das Kind mittlerweile selbst Kinder hat und dieses (sowie hoffentlich viele andere) prägende Erlebnis in der kreativen Beeinflussung seiner eigenen Kinder umsetzt.

Haustiere und andere Lebewesen
Egal, ob Tierschützer oder nicht - viele Eltern lehren ihre Kinder die Achtung vor dem Leben. Dazu gehört es auch, Tiere nicht zu quälen. So kennt wohl jeder die landläufige Behauptung, dass angeblich ein Regenwurm zu zwei Regenwürmern wird, wenn man ihn durchschneidet. Beim Anblick des eigenen Kindes, das genau diese These in der Praxis überprüft, erklären Eltern, dass auch ein Tier Schmerzen spürt. Anhand der eigenen Haustiere baut das Kind eines Tages sowieso Bindungen zu anderen Lebewesen als den eigenen Artgenossen auf und entwickelt ein Gefühl für Tiere, die diese Liebe jeweils auf ihre ganz eigene Weise zurückgeben. Auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens funktionieren alle Beziehungen.
Schwer wird es, wenn z.B. das Meerschweinchen stirbt. In diesem Falle gibt es ebenfalls kein allgemeingültiges Rezept. Fest steht nur, dass aus sachlicher Sicht kein Grund dazu besteht, einen Ersatz zu kaufen. Spätestens würde das bei einer Katze oder einem Hund unmöglich sein, da diese weit ausgeprägter in ihren charakterlichen Besonderheiten sind. Und aus Menschensicht sieht es einfach so aus, dass eine gute Kindheit einen für den weiteren Lebenslauf stärkt - dazu gehört es, mit schweren oder Ausnahme-Situationen einen guten Umgang zu erlernen.
Das heißt: Verantwortungsvolle Erwachsene haben später verantwortungsvolle Kinder. Verantwortungsvoll heißt, sich den Gegebenheiten zu stellen und den bestmöglichen Weg zur Verarbeitung und/oder Lösungen zu finden.

Religion, Rituale und Verantwortung
Wenn das geliebte Haustier stirbt, also ein Teil der Familie, ist das ein Schlüsselmoment in dem Leben aller Familienmitglieder und ein unabänderlicher Fakt. Dem Kind den Anblick des toten Freundes zu ersparen, ist eine Option - wenn das Kind sich entscheidet, das Tier noch einmal zu sehen, ist das im Normalfall in Ordnung. Es kennt von Autofahrten mit den Eltern sicherlich den Anblick von überfahrenen Tieren am Rand oder auf der Straße. Den Anblick des eigenen Haustier-Freundes in einem solchen Zustand sollte man vermeiden.
Wichtig ist in dieser Lebenssituation ein Beerdigungsritual und ein Ort - also Grab - zum Gedenken und Verarbeiten.
In diesem Zusammenhang spielt die Religion eine große Rolle, zu der selbst Atheisten Zuflucht nehmen, sobald es um den Tod geht. Wer jedoch seinen atheistischen Anschauungen treu bleiben und keine Zuflucht zum Himmel nehmen möchte, kann diese Chance nutzen, um dem Kind in altersgemäßer Weise den Gang des Lebens zu erklären. So zum Beispiel bietet es sich an, das Loslassen zu üben. Die Trauer ist ja gleichermaßen Würdigung des Verstorbenen wie auch die eigene Traurigkeit darüber, dass jemand sich verabschiedet hat. Manche sprechen sogar vom Egoismus der Hinterbliebenen…

Kinder werden stärkere Persönlichkeiten, je mehr sie sich ernst genommen fühlen. Wie in allen anderen Bereichen gilt auch für den Todesfall in der Familie: Je besser die Kinder vorbereitet sind und von einem liebevollen Umfeld aufgefangen werden, umso besser verkraften sie Verluste.
Text: kas

Weitere Infos zum Thema Familie:
- Kinder und Senioren - Generationsübergreifendes Wohnen
- Taufe - Warum sollen sich Kinder ihre Religion nicht selbst aussuchen?